Was für eine Nacht. Mir war nicht bewusst, dass es in der Wüste nachts lauter ist als tagsüber. Wie viele verschiedene Tiere ich heute Nacht durch das geöffnete Fenster gehört habe, weiß ich nicht. Ich bin aber sicher, dass jedes Einzelne von ihnen etwas mitzuteilen hatte.
Wir stehen um kurz nach 5 Uhr auf und verlassen das Hotel um kurz vor 6 Uhr.
Wir haben heute eine Wanderung zum Willow Hole vor und wollen die frühen Morgenstunden nutzen, bevor die Sonne höher wandert und die Temperaturen zum Wandern zu heiß werden.
Wir wählen den West-Eingang zum Joshua Tree Nationalpark und fahren bis zum Boy Scout Trailhead. Hier startet der Boy Scout Trail, von dem nach ca. 1,2 Meilen der Willow Hole Trail abzweigt.
Die Temperaturen sind noch angenehm, als wir die erste Meile durch Joshua Trees und kleinere Felsformationen laufen. Die Felswände und direkt am Wegesrand stehenden Joshua Trees werfen noch Schatten auf den Weg, sodass wir gut vorankommen.
Sonnencreme tragen wir allerdings trotzdem schon auf, denn die Sonne steigt schnell höher.
Unterwegs hoppelt uns ein Jackrabbit vor die Füße. Der kalifornische Eselhase ist ein großer Hase mit riesigen Ohren, der eher in der Dämmerung unterwegs ist. Die großen Ohren dienen der Wärmeregulierung.
Er lässt sich ein Stück entfernt von uns nieder und flüchtet auch nicht, als wir unsere Handys zücken. Im Gegenteil, nach kurzer Zeit fängt er an um sich herum zu knabbern. Sehr niedlich und für uns "Hasenfans" natürlich ein schönes Erlebnis.
Der Weg lässt sich entspannt laufen, weil wir kaum Höhenmeter bewältigen müssen. Zwischendurch wird zwar der Sand mal tiefer und loser, aber insgesamt ist der Weg gut zu laufen. Je weiter wir kommen, desto felsiger wird die Umgebung. Von den Joshua Trees geht es nun in eine Gegend mit mehr Kakteen und großen Felsformationen. Teilweise können wir dadurch im Schatten laufen, weil die Sonne noch nicht über die Felsen scheint.
Die felsige Gegend wird auch "Wonderland of Rocks" genannt. Durch die Felsen führt der Wanderweg bis zu einer kleinen Oase.
Der Weg ist gut ausgeschildert und an den Stellen, wo der Weg nicht ganz klar ist, weil Seitenarme zwischen die Felsen führen, sind strategisch günstig kleinere Wegweiser platziert. Verlaufen kann man sich also nicht.
Am Ende des Willow Hole Trails liegt die Oase Willow Hole. Hier legen wir eine Pause ein. Neben viel Wasser füllen wir unsere Energiespeicher mit Müsliriegeln auf, damit wir den Rückweg auch gut schaffen. Die Sonne steht jetzt schon deutlich höher, sodass wir fast nur noch in der Sonne laufen werden.
Der Weg ist etwa 7 Meilen oder rund 11,5 km lang.
Durch das Wandern im Sand verirrt sich leider der eine oder andere Stein immer wieder in unsere Wanderschuhe, sodass wir häufiger mal "ausleeren" müssen.
Nach gut 3,5 Stunden haben wir es geschafft. Wir kommen am Parkplatz an, lüften unser heißes Auto und frühstücken erst einmal.
Willow Hole hat sich total gelohnt und wir haben den frühen Start nicht bereut.
Wir cruisen langsam durch den Park und unternehmen ein Abstecher zum Keys View, einem Aussichtspunkt über die umliegenden Gebirge und das Coachella Valley.
Wir überlegen, ob wir noch eine weitere Wanderung anschließen, aber inzwischen ist es wirklich heiß und besonders viel Schatten gibt der Park eben nicht her.
Wir verlassen daher den Park und fahren kurz ins Hotel. Ein bisschen frisch gemacht und mit zwei Getränken von Starbucks versorgen, peilen wir unser nächstes Ziel an: Palm Springs und Palm Desert. Beide Orte liegen an der Interstate 10, südlich des Nationalparks und sollen echte grüne Oasen sein. Wir wollen in Palm Desert ein bisschen shoppen.
Wir sind wirklich überrascht, dass mitten in einer vollkommen trockenen Gegend eine so grüne Oase existiert. Palm Springs und Palm Desert sind sehr gepflegt, bestehen überwiegend aus "gated communities", also geschlossenen Wohnsiedlungen und unzähligen Golfplätzen. Alles sehr schön, sehr sauber und sehr reich.
In einer Mall finden wir einen "Barnes & Nobles", einen ganz wunderbaren Buchladen, den wir aus Florida kennen. Hier können wir etwas Zeit verbringen, bummeln dann noch durch die angeschlossene Mall und kehren später bei inzwischen 106 °F (also über 40 °C) zum Auto zurück.
Im Nachbarort La Quinta holen wir uns bei In'n'Out-Burger zwei Burger und besorgen bei Stater Bros. noch ein Abendessen.
Durch den Joshua Tree Nationalpark fahren wir Richtung Twentynine Palms zurück.
Ein echter Sommertag geht zu Ende. Morgen früh verlassen wir Twentynine Palms und machen uns auf eine lange Fahrt zum nächsten Ziel.


































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