Vorwarnung: Heute gibt es einen langen Text, weil der Tag soooo viel zu bieten hatte!
Vielleicht hat sich der eine oder andere Leser gefragt, warum wir im Hafen schlafen. Der Grund dafür ist, dass hier die Touren zum Channel Islands Nationalpark starten.
Wir stellen uns heute vorsichtshalber den Wecker, damit wir das Boot auf keinen Fall verpassen. Um 6.30 Uhr essen wir Frühstück, um kurz vor 7 Uhr laufen wir vom Hotel einmal rund um den Hafen herum zum Headquarter von "Island Packers".
Wir haben schon vor etlichen Monaten bei der Routenplanung unsere Bootstickets für den Channel Islands Nationalpark gebucht. Unter den verschiedenen Inseln haben wir uns für Santa Cruz Island entschieden und müssen um 7.15 Uhr vor Ort sein.
Die Sonne scheint, die Temperaturen sollen heute bei etwas über 20 °C liegen und wir warten gut gelaunt aufs Boarding.
Die Inseln entstanden vor Millionen Jahren aus vulkanischen Aktivitäten und der Verschiebung der Platten. Sie waren nie mit dem Festland verbunden, aber als der Meeresspiegel sank, waren die Inseln miteinander verbunden und unter dem Namen Santarosae bekannt. Als der Meeresspiegel wieder stieg, entwickelten sich die heute bekannten 4 Inseln: Santa Rosa, San Miguel, Santa Cruz und Anacapa.
Pünktlich um 8 Uhr legt unser Boot ab. Wir finden einen Platz auf dem oberen Deck und los geht die wilde Fahrt. Der Wellengang auf dem Kanal ist nicht ohne und wir springen gut durch die Wellen. Die Fahrt dauert etwa 75 Minuten.
Neben dem Boot tauchen immer wieder Delfine auf und dann auch ein Mondfisch. Den haben wir noch nie live gesehen und er ist faszinierend. Vorn sieht er aus wie ein normaler Fisch, mit großen Seitenflossen, allerdings fehlt ihm das typische "Fischende". Ganz spannend, aber so richtig gut lässt er sich nicht fotografieren.
Der Captain verlangsamt das Boot, sodass wir alle den Mondfisch (im Englischen interessanterweise als "Sunfish" bezeichnet) und auch die Delfine sehen können.
Wir haben uns für Santa Cruz Island entschieden, weil es hier schöne Wanderwege geben soll. Das Boot hält am Scorpion Anchorage, lässt die Santa Cruz Besucher aussteigen und fährt dann weiter zur Insel Santa Rosa.
Herausgesucht habe ich den Bluff Trail zum Potato Harbor Overlook. Wir haben allerdings bis 16 Uhr Zeit und dafür ist der Weg wahrscheinlich zu wenig. Gunnar studiert also kurz die Karte und entscheidet dann, dass wir zuerst mal den Scorpion Canyon Loop laufen.
Ich erinnere mich, dass ich gelesen habe, dass man diesen Loop im Uhrzeigersinn machen sollte. So tun wir. Es geht direkt mal steil bergauf.
Der Loop startet auf der Smugglers Road. Straße ist übertrieben, es handelt sich um einen etwas breiteren Wanderweg. Wir gewinnen schnell an Höhe und schauen schon nach wenigen Minuten auf den Hafen herunter. Dann windet sich der Weg weiter bergauf ins Inselinnere.
Der Nationalpark bietet nicht nur zahlreiche Wanderwege. Man kann vorab auch Schnorchel- oder Kajak-Touren buchen. Die Kajak-Touren führen zu Höhlen an der Ostseite der Insel. Stellen wir uns auch spannend vor, aber wir haben beschlossen zu laufen.
Die Smugglers Road führt weiter ins Inselinnere. Immer schön bergauf und immer wenn wir denken, auf dieser Kuppe sind wir sicher ganz oben, kommt dahinter die nächste, noch höhere Bergkuppe.
Irgendwann teilt sich der Weg. Einer führt über den Montanon Ridge, einer in den Scorpion Canyon. Diesen nehmen wir. Ab jetzt geht es steil bergab und wir verstehen auch, warum wir den Weg im Uhrzeigersinn wandern sollten. Wir sind etwa 2 Meilen bergauf gelaufen, nun geht es die Höhenmeter in etwa einer Meile wieder bergab. Also noch deutlich steiler als unser Weg.
Santa Cruz Island hat übrigens kaum Bäume, daher laufen wir heute den ganzen Tag in der Sonne. Wir sind froh, dass es noch Frühling ist und wir noch keine 30 °C haben...
Wir klettern durch den Scorpion Canyon nach unten und kommen an einem Campingplatz raus. Hier können wir einmal unser Trinkwasser auffüllen und anderes Wasser "wegbringen".
Dann nehmen wir die Potato Harbor Road hinauf zur Küste. Wir können ganz oben andere Wanderer sehen, die den Bluff Trail ab dem Hafen gelaufen sind. Irgendwann wird unsere Potato Harbor Road auf dem Bluff Trail einmünden, aber bis dahin kämpfen wir uns allein bergauf.
Über den Bluff Trail nähern wir uns dem Potato Harbor Lookout und dann stehen wir am Ziel. Mit Blick auf eine türkisfarbene, unberührte, weil nicht zugängliche, Bucht. Die Wellen rauschen sanft heran und wir finden, dass das ein fantastischer Ort für eine ausgiebige Mittagspause ist. Irgendwo bellen Seelöwen. Es ist herrlich.
Nach einer längere Pause raffen wir unsere Sachen zusammen und laufen über den Bluff Trail langsam Richtung Hafen. Allerdings nehmen wir nicht den direkten Weg, sondern verlängern die Wanderung um den Cavern Point Loop und laufen von dort bergab zum Scorpion Anchorage.
Der Küstenwanderweg windet sich auf und ab und gibt immer wieder schöne Blicke auf den Pazifik frei, der teilweise türkis aussieht. Im Wasser schwimmen die Algenwälder ("kelp forest"), dazwischen kann man bis auf den Grund schauen.
Die Sonne brennt jetzt allerdings wirklich heiß und wir sind froh, dass wir uns auf dem Rückweg befinden und ab dem Cavern Point auch überwiegend bergab laufen können.
Unten können wir schon den Hafen sehen und die letzte Meile ist schnell gelaufen.
Unten angekommen haben wir noch über eine Stunde Zeit, bis unser Boot uns abholt. Wir suchen uns - gar nicht so einfach - einen schattigen Platz und dann endlich, endlich, sehen wir einen sog. Island Fox. Der Insel-Graufuchs lebt nur auf den kalifornischen Kanalinseln und ist durch sog. Inselzwergwuchs nur etwa katzengroß. Er lebt monogam (macht ihn noch mal süßer) und ist ein Allesfresser. Und er ist nicht besonders scheu.
Ich muss an mich halten, den Knuffel nicht zu streicheln. Aber das machen wir natürlich nicht. Es sind und bleiben Wildtiere. Sie haben lediglich gelernt, dass von den Besuchern keine Gefahr ausgeht. Vielmehr fällt hier und da etwas Essen vom Tisch und das landet dann in den kleinen Inselfüchsen. Wir sehen später beim Warten auf das Boot noch einige mehr.
Um 16 Uhr legen wir ab. Wir haben wieder einen schönen Platz oben ergattern können und die Bootsfahrt ist jetzt zwar windiger, aber das Boot insgesamt fährt ruhiger als heute früh.
Wir sind gerade ein Stück von Santa Cruz weg, da informiert uns der Captain: Buckelwal voraus. Wir sehen seine Heckflosse und kurze Zeit später noch seine Fontäne, dann taucht er wieder ab. Der Captain bleibt in der Nähe und wir suchen fieberhaft den Horizont ab. Er zeigt sich noch einmal kurz, dann taucht er ab.
Wir nehmen wieder Fahrt auf. Bis uns eine große Gruppe Delfine begleitet. Wir drosseln wieder und beobachten, wie sie in unserer Heckwelle surfen.
Nur kurz nehmen wir wieder Fahrt auf, dann heißt es wieder: 2 Buckelwale auf 1 Uhr. Wunderschön. Immer wieder sehen wir ihre Rücken und die Schwanzflosse. Wir sind nun schon ziemlich lange unterwegs und sollten längst wieder in Ventura sein, aber Tierbeobachtungen brauchen ihre Zeit. Irgendwann geht es dann aber weiter und wir kommen etwas verspätet in Ventura an.
Im Hafen nehmen wir noch ein schnelles Abendessen zu uns und dann endet ein wundervoller Tag mit unvergesslichen Momenten. Wir laufen die letzte Meile zum Hotel und springen erst einmal unter die Dusche. Ein Wandertag ohne Schatten und mit 19 km in den Füßen... das schreit nach einer "Tiefenreinigung".










































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