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Von Zügen und der Suche nach dem Geist von Weihnachten

Da ist er. Unser letzter voller Tag im wundervollen, verschneiten, erholsamen und atemberaubenden Kanada. In mir macht sich eine gewisse Traurigkeit breit, aber das kennen wir ja schon.

 

Wir wandern heute nicht mehr. Wir lassen den Tag ganz entspannt beginnen und müssen uns am Nachmittag auch mit dem Thema Gepäck beschäftigen. 

 

Aber first things first. Gunnar besorgt im Good Earth Coffeehouse 2 Heißgetränke und dann frühstücken wir entspannt.

 

Beim Blick aus dem Fenster zeigt sich mal wieder ein typischer kanadischer Morgen. Über den Rocky Mountains färbt der Sonnenaufgang den Himmel und die Wolken rosa-orange. 

Wir wollen heute in bisschen in Canmore bummeln, aber die Geschäfte machen in der Regel erst gegen 10 Uhr auf. Wir überbrücken die Zeit bis dahin mit einer wunderschönen Fahrt über den Bow Valley Parkway.

 

Je näher wir Lake Louise kommen, desto dicker verschneit ist der Wald. 

Auf dem Parkplatz des Johnston Canyons steht kein einziges Auto. Wenn man überlegt, wie überlaufen der Banff Nationalpark im Sommer ist und wie oft wir im Winter allein unterwegs waren - mein Favorit für die Reisezeit dürfte klar sein.

 

An der Morant's Curve parken wir. Ich habe es im Gefühl. Heute kommt ein Zug. Es sind -8°C, aber es ist windstill, sodass wir es gut draußen aushalten. Immerhin bewegt man sich ja beim Warten nicht so wie beim Wandern. 

 

Und dann warten wir. Ca. 35 Minuten oder etwas länger und dann kommt er. Zwar wieder aus der falschen Richtung, aber trotzdem ein tolles Erlebnis. 3 junge Frauen, die kurz mit uns gewartet haben, sind gerade in ihren Wagen eingestiegen, als der Zug in der Ferne zu sehen ist. Gunnar gibt ihnen schnell ein Zeichen, sie springen wieder raus und kommen gerade noch rechtzeitig an den Aussichtspunkt. Sie sind super dankbar und verabschieden sich später fröhlich aus dem Auto winkend. 

Das war toll. Man ist richtig glücklich, wenn es klappt. Und wir haben gleich zweimal in diesem Urlaub das Erlebnis gehabt.

 

Wir vollenden den Bow Valley Parkway und fahren auf dem Trans-Canada-Highway nach Canmore. Wir bummeln durch Baumärkte und Supermärkte und nehmen uns dann noch mal das "Town Centre" vor. Auf der Hauptstraße gibt es zahlreiche kleine Geschäfte mit Souvenirs, Bekleidung, witzigem Küchenzubehör, dazu Restaurants und Bars. 

 

Zum Mittag kehren wir im Restaurant "The Local" ein und speisen gut. Gunnar wählt den Local Burger, ich die Fish & Chips und wir sind beide sehr zufrieden.

Am Nachmittag fahren wir zurück nach Banff. Wir müssen packen. 

 

Heute Abend haben wir noch einmal in der "Three Bears Brewery" reserviert, aber vorher wollen wir noch zum "Cascade of Time Garden". Dort steht das Parks Canada Administration Building und außerdem gibt es hier ein Event namens "In Search of Christmas Spirit".

 

Wir laufen die Hauptstraße entlang bis zum Cascade of Time Garden. Wir sind etwas überrascht, als wir nach einem Ticket gefragt werden. Haben wir nicht. Die freundliche Frau verweist uns auf ein kleines Häuschen, wo wir möglicherweise noch Abendkarten kriegen können, weil das Event eigentlich ausgebucht ist.

 

Wir haben Glück. Wir melden uns an und - wieder überraschend - müssen gar nichts bezahlen. Es heißt nur "nehmen Sie sich eine Laterne, folgen Sie dem Pfad und viel Spaß". Eine Laterne? Ich komme mir ein bisschen wie Ebenezer Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte vor, während ich so mit der Laterne in der Hand durch die Gegend wandere. 

"In Search of Christmas Spirit" ist eine Licht- und Toninstallation rund um das Parks Canada Administration Buildung herum. Dabei wird von Skulptur zu Skulptur eine Geschichte erzählt. Die Tiere des Landes (Dickhornschafe, Schnecken, Fische, Bären, Wölfe, Elche und Bisons) haben alle ein Geschenk oder ein Gabe und die Eule macht sich auf den Weg, die Geschenke der Tiere allen Menschen zu bringen (also Kraft, Stärke, Ruhe, Freude, Zuversicht usw.).

 

Die Eule fliegt also von Tier zu Tier und fragt, ob sie sich beteiligen. Und natürlich machen alle Tiere mit. Manches Tier fragt sich, was es beitragen könnte, aber es findet sich immer etwas. 

 

Untermalt werden die beleuchteten Skulpturen mit passender Musik. Es ist wirklich ganz magisch hier. Passend fängt es auch an zu schneien, während wir den Geist von Weihnachten suchen. 

Die Geschichte und der Rundwanderweg enden damit, dass alle Tiere ihre Gaben mit uns Menschen geteilt haben. Nun verfügen wir über diese Gaben und dürfen (und sollen) sie mit anderen teilen. Und sollte uns selbst einmal die Zuversicht fehlen, dürfen wir jederzeit zurückkommen.

 

Eine schöne Botschaft für das bevorstehende Weihnachtsfest und ein zauberhaftes Erlebnis im verschneiden Cascade of Time Garden. 

Voller Zuversicht machen wir uns nun aber auf den Weg zum Restaurant. Da wir heute Mittag schon gut gegessen haben, bleibt es heute Abend eher bei einer Kleinigkeit. Aber einer leckeren Kleinigkeit.

 

Als wir nach dem Essen das Restaurant verlassen, sind die Straßen schon weiß. Mal sehen, wie es morgen früh aussieht. Wir fliegen erst am frühen Abend und haben damit mehr als genug Zeit, um von Banff nach Calgary zum Flughafen zu kommen.

 

Eine außergewöhnliche und traumhafte Reise geht langsam zu Ende. Den Anblick der aufgehenden Sonne über den Rocky Mountains würde ich gern nach Hause mitnehmen; insgesamt auch die erstaunlich vielen Sonnenstunden, die wir hier in 2 Wochen hatten. -21 °C bräuchte ich nicht so oft, andererseits mit richtiger Jacke und bei Sonnenschein lassen sich auch die super aushalten.