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22 km durch den Schnee

Der Wetterbericht sagt für heute Sonne vorher. Auch wenn es hier eigentlich an jeder Ecke spektakulär ist, gibt es natürlich Ziele, die man noch lieber in der Sonne erleben möchte. So leben wir von Tag zu Tag und Wetterbericht zu Wetterbericht und entscheiden spontan, was sich wann lohnt.

 

Heute früh steigen wir um 7 Uhr in den Mercedes und fahren nach Lake Louise. 52 km ist die Strecke über den Trans-Canada-Highway und morgens um 7 Uhr in gut einer halben Stunde geschafft.

 

Heute stehen tatsächlich schon um die 10 Fahrzeuge auf dem großen Parkplatz am See. Hauptsächlich Fotografen, die sich am Ufer mit Stativ und Kamera platziert haben. Das Fairmont Château Lake Louise ist weihnachtlich geschmückt und hat sogar noch die Beleuchtung an, als wir loslaufen. Es ist nämlich noch nicht ganz hell. 

Vom Uferweg geht ein Wanderweg zum Mirror Lake und zum Agnes Lake ab. Das sind unsere Ziele heute. Der Anstieg ist stetig bergauf, aber die Luft ist kalt und klar, der Weg gut zu laufen und wir sind - mal wieder - allein unterwegs.

 

Wir arbeiten uns allmählich nach oben. Der größte Teil des Weges verläuft oberhalb des Sees im Wald. Dadurch hat man nur selten Ausblick auf den Lake Louise. Wir kennen den Weg auch ohne Schnee im Herbst und wissen, dass hin und wieder das Türkisblau des Sees durch die Bäume schimmert. Bei Schnee ist allerdings nichts zu sehen. 

Je höher wir kommen, desto mehr reißt der Himmel auf und die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Endlich ist es richtig hell, als wir am Mirror Lake ankommen. Natürlich ist der so verschneit und zugefroren, dass sich kein Spiegelbild des Little Beehive im See ergibt. Der Little Beehive trägt seinen Namen zu Recht, denn er sieht aus wie ein Bienenkorb. 

Vom Mirror Lake geht es noch einmal bergauf bis zum Lake Agnes. Auf dem Weg durchkreuzen wir immer mal wieder Lawinengebiet, aber so richtig Sorgen machen wir uns nicht. Der Wanderweg ist in den letzten Tag häufiger besucht worden, wie wir an der gut ausgetretenen Spur erkennen und es gab auch keine besonderen Hinweise für Wanderer. Dennoch durchqueren wir diese Gebiete zügig.  

 

Da wir jetzt noch weiter oben am Berg sind, haben wir ein bisschen mehr Ausblick auf die umliegenden Rocky Mountains. An den Bergen hängen Wolken fest, andere Teile der Berge werden von der Sonne angestrahlt. Fast magisch.

Der letzte Teil des Weges hat es in sich, denn wir erreichen Lake Agnes nur über eine Treppe. Und die ist natürlich spiegelglatt und mit einem dicken Eis-Schnee-Panzer bedeckt. Am Wilcox Pass habe ich ja schon eine Abkürzung nach unten genommen, daher laufe ich heute besonders vorsichtig. Klappt auch unfallfrei und dann sind wir oben am Lake Agnes. Das Teahouse ist im Winter geschlossen, sodass wir nicht in den Genuss eines heißen Tees kommen. Dennoch ist es hier oben traumhaft, zumal wir ganz allein hier sind, und natürlich haben wir sowohl Getränke, als auch Snacks dabei.

 

Als wir 2 Gummibärchen essen wollen, stellen wir fest, dass die -12°C Spuren hinterlassen. Unsere Gummibärchen sind definitiv härter als sonst. 

Lake Agnes liegt umgeben von Bergen und wird im Winter kaum von der Sonne erreicht. Entsprechend kalt ist es hier und der Wind pfeift uns mächtig um die Ohren. 

 

Wir halten uns daher nur kurz auf, schießen unsere Fotos, kauen die harten Gummibärchen weich und machen uns dann wieder an den Abstieg. 

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz kommen uns noch 3 andere Wanderer entgegen. Überlaufen ist es hier oben definitiv nicht.

 

Am Ufer des Lake Louise ist schon deutlich mehr los.

Es ist jetzt kurz vor 11 Uhr und das Wetter ist richtig schön. Zwar lausig kalt, aber immer wieder sonnig, daher entscheiden wir uns zu einer zweiten Wanderung.

 

Im Trailhead Café in Lake Louise Village holen wir uns 2 Getränke und einen kleinen Mittagssnack und dann fahren wir erst einmal zurück auf den Trans-Canada-Highway. Wir biegen auf den Banff-Windermere-Highway Richtung Radium Hot Springs ab. Nur wenige Kilometer hinter der Abfahrt gibt es einen Parkplatz, den wir ansteuern.

 

Hier startet ein rund 5 km langer Wanderweg zum Boom Lake. Es soll ein wunderschöner Wanderweg, dick verschneit und immer wieder mit sonnigen Abschnitten werden. 

Auch der Weg zum Boom Lake geht stetig bergan, allerdings fühlt sich die Steigung nicht nach "Gewaltmarsch" an, sondern bleibt moderat. Dennoch brauchen wir so unsere Zeit für die etwas mehr als 5 km.

 

Dann stehen wir am Boom Lake. Allein.

Nach einer kurzen Pause inklusive Chocolate Chip Muffin und Maple Chocolate Cake treten wir den Heimweg an. Der geht jetzt bis auf wenige Abschnitte insgesamt eher bergab, zieht sich dann aber doch.

 

Zwar scheint die Sonne immer wieder durch die Bäume, aber es ist nach wie vor sehr kalt und gefühlt zieht sich der letzte der 10 km wie Kaugummi.

 

Aber irgendwann haben wir es geschafft und stehen wieder am Parkplatz. 

Fast 22 km haben wir jetzt in den Füßen und das reicht uns für heute. Wir nehmen den Banff-Windermere-Highway und dann den Trans-Canada-Highway zurück zum Hotel.

 

Beide Highways sind für Beifahrer(innen) ein Traum. Ich komme aus dem Gucken immer gar nicht heraus, während Gunnar sich brav aufs Fahren konzentrieren muss. 

Abendessen gibt es heute im Hello Sunshine, einem japanischen Restaurant. Wir wählen verschiedene Sushi und essen uns satt. Sehr lecker!