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Endlich, ein (kleiner) Erfolg an der Morant's Curve

Um 3 Uhr schauen wir das erste Mal auf die Uhr. Ein bisschen zu früh zum Aufstehen, also versuchen wir es noch mit ein bisschen Schlaf. Mehr oder weniger erfolgreich. Ich schaue aber nicht nur auf die Uhr, sondern auch kurz aus dem Fenster: alles weiß! Sehr schön. Der Schnee war vorhergesagt und der Wetterbericht hat somit nicht gelogen. Ich freue mich tierisch. 

Etwas später frühstücken wir eine Kleinigkeit in Form von Brot, Frischkäse und etwas Marmelade und Gunnar besorgt im Good Earth Coffeehouse noch 2 Heißgetränke. 

 

Um kurz nach 7 Uhr holen wir unseren Wagen aus der beheizten Tiefgarage und Gunnar probiert erste Manöver auf der verschneiten und darunter leicht vereisten Fahrbahn. Klappt alles prima mit unserem Mercedes und deswegen wagen wir uns auf den Trans-Canada-Highway Richtung Lake Louise. 

Die Hinweisschilder in Kanada sind oftmals zweisprachig, also englisch und französisch. Heute verstehen wir beides.

 

Wir kommen im Hellen am Lake Louise an. Als wir auf den Parkplatz fahren, kommt zeitgleich mit uns ein weiteres Fahrzeug an und auf dem Parkplatz selbst steht nur ein Fahrzeug von Parcs Canada. In den Sommermonaten besuchen laut Internet täglich um die 15.000 Menschen den See, heute sind es 3. Zumindest um kurz nach 8 Uhr. 

Die Wolken, die noch immer unaufhörlich Schnee transportieren, hängen tief in den Bergen. Man kann heute kaum bis zum Ende des Sees gucken. Der See ist gut zur Hälfte schon überfroren. Das Eis trägt noch nicht, wie Hinweisschilder am Ufer warnen, aber das ist eine Frage von Tagen, wenn es jetzt kälter wird und kontinuierlich unter 0 °C bleibt.

 

Damit uns nicht kalt wird, wandern wir ein bisschen. Wir wählen zum ersten Mal den Fairview Lookout Trail durch den Wald. Hier sind wir etwas geschützter unterwegs. Und natürlich allein. 

Wir müssen zwar 165 Höhenmeter überwinden, schaffen das aber recht schnell, weil der Weg insgesamt nur etwas über einen Kilometer lang ist. Dann stehen wir oberhalb des Sees und schauen auf das Hotel Fairmont Château Lake Louise. In den Bergen hinter dem Hotel liegen die Skigebiete, die aus dem Alpinsport bekannt sind. Heute lassen sie sich allenfalls erahnen. Zu tief hängen die Wolken.

 

Der Rückweg geht überwiegend bergab und schnell stehen wir wieder am Ufer des Lake Louise. Wir spazieren noch ein wenig am Ufer entlang bis zur Stelle, an der der See noch nicht zugefroren ist, dann kehren wir zurück zum Auto.

 

Gerade richtig. Als wir ankommen - es ist ca. 9.30 Uhr - treffen die ersten Reisebusse ein. Glück gehabt, dass wir den See so wunderbar für uns allein hatten. 

In Lake Louise Village statten wir dem Trailhead Café einen Besuch ab. Wir kennen das Café seit unserem ersten Besuch: freundliches Personal, eine gute Auswahl an warmen Sandwiches / Wraps, dazu leckerer Kuchen sowie leckere Heißgetränke. Was wollen wir mehr?

 

Ausgestattet mit Americano und Vanilla Latte verlassen wir Lake Louise. Wir nehmen aber nicht den Trans-Canada-Highway zurück Richtung Banff sondern den parallel verlaufenden Bow Valley Parkway. Hier liegt noch dick der Schnee, obwohl uns regelmäßig Schneepflüge entgegenkommen. 

 

Herrlich, denn der Bow Valley Parkway ist nicht so stark befahren und bietet immer wieder schöne Ausblicke. Es wird zudem ein bisschen heller und die Wolken ziehen immer mal wieder raus aus den Tälern und geben den Blick auf die umliegenden Rockies frei. 

Ich weihe Gunnar in meinen Plan ein: Wir parken an der Morant's Curve und warten dieses Mal so lange, bis der Zug kommt. Gunnar ist begeistert. Vielleicht.

 

Am Parkplatz stehen nur 2 weitere Fahrzeuge. Man muss wissen: an dieser Kurve habe ich schon Stunden meines Lebens gestanden. Bisher ohne Erfolg. 

 

Ich schnappe mir mein Heißgetränk und platziere mich am Aussichtspunkt mit Blick auf die Bahnschiene und die dahinterliegenden Berge. Ein junger Mann aus Quebec betreibt Smalltalk und gibt den wichtigen Hinweis, dass er seit anderthalb Stunden auf einen Zug wartet. So etwa alle 1-2 Stunden soll ein Zug die Stelle passieren. Eine halbe Stunde kann ich Gunnar auf jeden Fall überzeugen zu bleiben. Denke ich.

 

Und dann stehen wir dort. Es sind -2°C, kurz kommt sogar mal die Sonne raus und dank Windstille lässt es sich aushalten. Und tatsächlich: nach rund 30 Minuten kommt ein Zug. Leider aus der falschen Richtung, sodass wir ihn nicht von vorn fotografieren können, wenn er in die Kurve einfährt und auf die Fotografen zu. Trotzdem, ich bin total glücklich. Beim 3. Urlaub hat es endlich geklappt. 

Sehr beseelt und sehr zufrieden fahren wir den Bow Valley Parkway bis zum Ende. Der Schnee setzt kurz vor dem Ende wieder stärker ein und das ESP des Mercedes muss nicht nur einmal eingreifen. Ich habe aber den Eindruck, dass es Gunnar sehr viel Spaß macht, durch den verschneiten Winterwald zu "fräsen".

Wir fahren vom Bow Valley Parkway auf den Trans-Canada-Highway bis nach Canmore. Wir bummeln durch Safeway und Canadian Tire (eine Art Baumarkt inklusive Sportbedarf und Weihnachts"gedöns") und fahren dann auf den Tunnel Mountain in Banff. Ein kleiner Spaziergang muss noch sein, wir haben jetzt lange genug im Auto gesessen. Wir parken unser Auto auf dem Campingplatz auf dem Tunnel Mountain und laufen dann auf einem verschneiten Wanderweg Richtung Hoodoos, auffälligen Felsen oberhalb des Bow River. Leider ist ein Teil des Weges gesperrt, sodass wir die Hoodoos nur aus der Ferne sehen können. 

Jetzt fahren wir aber wirklich nach Banff. Wir parken unseren Wagen in der Tiefgarage und ruhen uns ganz kurz im Zimmer aus. Nun kommt aber die Sonne heraus und irgendwie hält es uns nicht im Zimmer. Wir bummeln also durch Banff, am Bow River entlang und genießen den Nachmittagshimmel. 

Abendessen gibt es heute in der Three Bears Brewery & Restaurant. Sehr lecker, sehr sättigend.

 

Auf dem Heimweg merken wir, dass der klarere Himmel für kältere Temperaturen sorgt. Unser Hotelzimmer ist aber wunderbar warm, sodass wir entspannt durch die Kälte laufen - im Wissen, dass wir gleich wieder im Warmen sind.